Bewegte Pause

  

Schwung für graue Zellen

Die Luise-Büchner-Schule startet das Projekt Bewegte Pause: Auf dem Schulhof laden Sportgeräte zum Klettern, Balancieren, Rollen und Ballspielen ein. Das macht den Kopf frei und fördert den Lernerfolg.Wer sich zwischen den Unterrichtsstunden austobt, hat beim Lernen einen klaren Kopf.

Rockmusik schallt über den Hof, unter herbstlichen Bäumen fahren Jugendliche mit Skateboards Schlangenlinien, wie Stehaufmännchen hopsen Mädels auf Balancierbällen herum und von der Tischtennisplatte klingt ein schnelles Pingpong herüber.

Ein Sportfestival? Martin Buhl lacht: „Bewegte Pause heißt unser neues Angebot im Schulprogramm. Man sieht, wie lebendig Schule sein kann.“ Der stellvertretende Leiter der Luise-Büchner-Schule (LBS) in Groß-Gerau führt Aufsicht im Schulhof, wo Sportgeräte zum Klettern, Balancieren, Rollen und Ballspielen einladen.

Zum Auftakt des Projekts bringt die Schulband der sechsten Klasse die Jugendlichen zusätzlich in Schwung. „Gesunde Ernährung, Suchtprävention, Streitschlichter- und Ich-Stärkungsseminare bilden an unserer Schule ein Gesamtpaket, zu dem jetzt auch diebewegte Pause gehört“, sagt Buhl. Ziel sei, Schule als Lebensraum für Miteinander undmotiviertes Lernen erfahrbar zu machen.

Maßgeblich geplant wurde die bewegte Pause von Schulleiterin Sabine Koch, Sportlehrerin Nina Günther und Mathelehrer Hartmut Georg. Mit im Boot saß Jens Lapp vom Turnverein (TV). „Jens Lapp kennt sich besser aus als wir Lehrer, wenn es um die Anschaffung moderner, koordinationsfördernder Sport- und Spielgeräte geht“, sagt Buhl.

Völlig neu sind bewegungsfördernde Pausengeräte an der Schule natürlich nicht – Tischtennisplatten und Basketballfeld gibt es schon lange. Nun aber konnte dank Finanzierung des Kreises Groß-Gerau als Schulträger eine Garage gebaut werden, in der Stelzen, Jongliergeräte, Skateboards, Einräder, Balancierbälle und anderes mehr aufbewahrt werden können. Die Anschaffung der Geräte wiederum ist vor allem der Unterstützung des Fördervereins zu verdanken. Der große Schulhof mit beschaulichem Steinrund zum Plaudern und Ausruhen, bietet Platz, die Geräte auszuprobieren, ohne einander in die Quere zu kommen. Rund 940 Schüler der fünften bis zehnten Klassen nutzen das Gelände. Ein Innenhof bietet Rückzugsmöglichkeiten für ältere Schüler, in der Schulbibliothek können Spiele ausgeliehen werden.

Luca und Jonas gehören zu den Bewegungsscouts des neuen Projekts. Sie zeigen ihren Mitschülern, wie die  Sportgeräte funktionieren und geben Hilfestellung. Jonas demonstriert sein Können auf einer Bärenrolle, auf deren Streben er mit Trippelschritten geschickt balanciert, um voranzukommen. Auch die Sechstklässler Fiona, Pia und Annika gehören zu den 15 freiwilligen Bewegungsanleitern. Fiona sagt: „Man muss nicht absolut gut sein im Sport. Aber man sollte Lust dazu haben, andere zu motivieren.“ Die drei Mädels finden die bewegte Pause super: „Man vergisst, dass man in der Schule ist.“

Genau das sei der gewünschte Effekt, unterstreicht Martin Buhl: „Pausen sind da, um den Kopf freizubekommen. Die Schüler entwickeln kreative Ideen und probieren spielerisch körperliche Potenziale und Grenzen aus.“ Kollege Hartmut Georg ergänzt: „Bewegung regt die Verknüpfungen im Gehirn an, schult Koordination und Konzentrationsfähigkeit und trägt zum Frustrations- und Aggressionsabbau bei.“ Dann scherzt er: „Nicht, dass wir nun lauter Einserschüler in Mathe hätten, aber körperliche Bewegung macht eben auch beweglicher im Denken.“ Womit das Schulmotto Lebendig, bildend, schülerorientiert bestens in die Praxis umgesetzt wäre.

Lorena (15) balanciert in der Sporthalle gerade gekonnt über ein 50 Zentimeter hohes Wackelband. „Bewegte Pause bedeutet Freiraum, Sportgeräte auszuprobieren ohne den Druck, der sonst im Unterricht da ist“, sagt sie. Dass Schule in Zeiten von G 8 nicht stressfrei ist, wissen Lehrer und Schüler nur zu gut. ( lot)

Artikel aus dem Groß-Gerauer Echo zur Einführung der "Bewegten Pause" an der LBS